DER BERTHA-VON-SUTTNER-PLATZ

… ein Ort des Friedens

Neugestaltet und in einer neuen Themensetzung: Der Platz, der an der Stadteinfahrt im Osten von Graz liegt, heißt seit dem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss vom 26. März 2015 nach Bertha von Suttner. Sie war österreichische Pazifistin, die wesentliche Mitbegründerin der Friedensbewegung und Friedensnobelpreisträgerin.

Dieser Ort ist nicht der Einzige nach ihr benannte in Graz: Die Bertha-von-Suttner-Friedensbrücke (ehemals Schlachthausbrücke), sowie der Suttnerweg verweisen auf diese außergewöhnliche Frau. Sowohl der Bertha-von-Suttner-Platz als auch die Bertha-von-Suttner-Friedensbrücke haben eine ähnliche Entstehungsgeschichte. Beide fanden ihre Benennung durch Initiativen, die andere Orte im Fokus hatten: So wollte ursprünglich eine Gruppe den Kriegssteig am Schloßberg in Friedenssteig umbenennen. Da eine solche Umbenennung aber keine Mehrheit finden konnte, wurde als Ausgleich die Schlachthausbrücke umbenannt. Eine andere Gruppe wollte 2014 – anläßlich des 100sten Jahrestages des 1. Weltkrieges – die Conrad-von-Hötzendorf-Straße umbenennen (Franz Conrad von Hötzendorf war wesentlich für den Weg in den Ersten Weltkrieg und die brutale Kriegsführung und Übergriffe gegenüber Zivilist_innen mitverantwortlich.) umbenannt wurde der schließlich südlichste Teil dieser Straße, die Umkehrschleife beim Stadionplatz.

Dieser neugeschaffene Platz wurde von Arch. c/o GROSZSTADT gemeinsam mit DI Waltraud Körndl gestaltet; ebenso der Stadionplatz, der nur durch die breite Einfahrtsstraße vom Bertha-von-Suttner-Platz getrennt ist. Die geografische Lage dieser Plätze ist eine Herausforderung für die Namensgebung, denn die beiden gehören zusammen. Was bedeutet es nun, einen Platz, der dem Frieden „gehört“, neben einem Stadionplatz zu haben? Vielleicht nicht viel, denn ein Platz ist ein Platz ist ein Platz. Der ist da, um im Schatten sitzen zu können, etwas zu spielen, sich über das Wirken von Bertha von Suttner zu informieren, vielleicht – wenn Bauernmarkt ist – einzukaufen, oder sich beim Brunnen abzukühlen, einander zu begegnen. Dies alles ist auf diesem Platz möglich. Dass der Platz nach einer Friedensnobelpreisträgerin benannt ist, gibt dem Ort eine Bedeutung, die er vorher nicht hatte. Einerseits würdigt die Stadt eine herausragende Frau (es gibt eine kleine Gruppe an Frauen, die ebensolche Würdigung in Graz erfuhren) und andererseits zeigt die Stadt Graz dadurch bewußt und öffentlich ihre Verantwortung, die sie in Bezug auf Friedensaufrechterhaltung hat.

Wir können Frieden nur gemeinsam erschaffen und behalten. Auf den ersten Blick ist es nicht wichtig, wie ein Ort heißt, aber der Name tut etwas mit uns…

nicole pruckermayr, Dezember 2020