KUNSTWERKE / ERÖFFNUNG

FRIEDENSTISCHE ZEICHNEN

ALLE Fotos: C Lex Karelly

…. wird am Bertha-von-Suttner-Platz am 28. Mai 2021 durch Stadtrat Dr. Riegler, Stadtrat Mag. Hohensinner, Kulturjahr-Leiter Mag. Mayer, Bezirksvorsteher Mag. Strobl, Volksschuldirektorin Mag. Kaltenböck-Luef und DI Martin Zettel (Stadtplanungsamt), Werner Renner (Malervereinigung) sowie dem Projektteam und den KünstlerInnen coronabedingt in einer kleinen Runde eröffnet.


Zeichnung: C Edda Strobl

Gibt es Unterschiede zwischen einer Leinwand und einer Tischplatte? Friedvolle Kunst auf Tischen!
Ab Samstag, 29. Mai 2021 bis mindestens 31. Dezember 2021 können am neugestalteten Bertha-von-Suttner-Platz großformatige Tischzeichnungen der KünstlerInnen Johanna Regger, Isa Riedl, Edda Strobl/Anja Korherr und studio ASYNCHROME in einer OPEN-AIR-Ausstellung im Rahmen von Kulturjahr 2020 besucht werden. Die Kunstwerke nehmen Bezug auf Themen des Friedens im Kleinen und im Großen, die gemeinsam mit den Kindern der VS Schönau erarbeitet wurden.

Bis vor einigen Jahren war der nunmehrige Bertha-von-Suttner-Platz kein Platz im eigentlichen Sinn, sondern nur eine Umkehrschleife der Straßenbahn, das Ende der Conrad-von-Hötzendorf-Straße mit einer Toilettanlage. Mit der (Um)benennung durch den Gemeinderat in Bertha-von-Suttner-Platz gewann der Ort eine positive Setzung.

Allerdings: Die geografische Lage dieser zwei lediglich durch die Ulrich-Lichtenstein-Gasse getrennten Plätze – Bertha-von-Suttner-Platz und Stadionplatz – ist eine Herausforderung für die Namensgebung, denn die beiden werden als Einheit wahrgenommen. Was bedeutet es nun, einen Platz, der dem Frieden „gehört“, neben einem Stadionplatz zu haben? Vielleicht nicht viel, denn ein Platz ist ein Platz ist ein Platz. Der ist da, um im Schatten zu sitzen, etwas zu spielen, vielleicht – wenn Bauernmarkt ist – einzukaufen, oder sich beim Brunnen abzukühlen, einander zu begegnen. Dies alles ist auf diesem Platz möglich. Dass der Platz nach einer Friedensnobelpreisträgerin benannt ist, gibt dem Ort eine Bedeutung, die er vorher nicht hatte. Einerseits würdigt die Stadt eine herausragende Frau und andererseits zeigt die Stadt Graz dadurch bewußt und öffentlich ihre Verantwortung, die sie in Bezug auf Friedensaufrechterhaltung hat.

Ohne diesen geschaffenen Platz gäbe es kein Projekt.

Auf dem Platz gibt es Tische – eine Seltenheit, denn Tische im öffentlichen Raum sind teuer, sie sind zu pflegen und zu warten. Aber an diesem speziellen Ort sind sie vorhanden und laden ein, einander zu begegnen. Tische sind per se im Gestus einer friedlichen Handlung, denn man lässt sich aufeinander ein. Man teilt sich einen Tisch, einen Gedanken, eine Handlung. Tische laden aber auch ein, Geschichten nicht nur daran, sondern auch darauf zu erzählen, Gedanken auszutauschen. In der Schule, im Wirtshaus, zu Hause, überall, wo Menschen sitzen, kommunizieren sie – mit sich, miteinander – und kritzeln, zeichnen oder schreiben auf.

Das ursprüngliche Konzept sah vor, sich mit Kindern an diese Tische zu setzen und gemeinsam mit ihnen zu zeichnen und Ideen auszuarbeiten. Aufgrund der Covid-19 Pandemie war dies nicht möglich. Glücklicherweise konnten jedoch im Herbst 2020 eine Woche lang Workshops mit den SchülerInnen der Volksschule Schönau stattfinden. Mit KünstlerInnen, ArchitektInnen, SozialarbeiterInnen und Kinderrechte-ExpertInnen wurden die Themenfelder Kunst im öffentlichen Raum, Raumwahrnehmung, Konfliktlösungen und Frieden im öffentlichen Raum, friedvolles Zusammenleben generell und in Bezug auf Nachbarschaften bearbeitet. Die Ergebnisse der Workshops sowie nachfolgende Kommunikation zwischen KünstlerInnen und Kindern im „Stille Post“-Verfahren flossen dann direkt in die Tisch-Arbeiten ein.

Die Zeichnungen auf diesen Tischen sind unterschiedlich.

Edda Strobl/Anja Korherr gehen in ihrer Arbeit von Friedenssymbolen und ihrer Vieldeutigkeit aus. Der Imperativ: „Jetzt ist aber einmal ein Frieden!“ wird dadurch auch interessant, denn was bedeutet Frieden für den einen und für die andere? Sie nimmt Bezug auf die Notwendigkeit der Absenz von Konflikt um Frieden zu ermöglichen und die kontinuierliche Ausverhandlung, ohne die keine Friedensaufrechterhaltung möglich ist.

Auch studio ASYNCHROME beschäftigen sich mit dieser immerwährenden Ausverhandlung, ihre Arbeit geht dabei verstärkt auf Körperhaltungen ein. Die Verschlungenheit der Körper, die sich sowohl in friedlicher Manier als auch im Zuge von Auseinandersetzungen sehr nahe kommen, zeigen die Verwobenheit, die eine Gesellschaft ausmacht. Ausgewogenheit von Nähe und Distanz, empathisches Verhalten sind grundlegende Vorraussetzungen für ein geglücktes Miteinander.

Johanna Reggers Arbeit bezieht sich auf Bertha-von-Suttners Wirken und das alltägliche HeldInnen-Sein. Welche Eigenschaften braucht man dafür, wo findet man HeldInnen, was tun denn die den ganzen Tag? Aus einer Reihe von Rückmeldungen der Kinder der Volksschule Schönau entwickelte Regger eine Arbeit, die Orte, Visionen, Zeiten und Menschen ineinanderüberfliessen lässt.

Isa Riedls Arbeit geht von der Vorstellung einer paradiesischen Sphäre aus, die sich in Wolkenformationen ausdrückt. Die Gestalt der Wolken basieren auf Kinderzeichnungen und auf Erzählungen von Kindern. Sie drücken aus, was notwendig ist um friedvoll miteinander umgehen zu können. Die Wolken geben Leichtigkeit und verleiten zu träumen. Die rosarote Wolke… aber gleichzeitig kennen wir es alle: wenn sich etwas zusammenbraut…

Ob den Kindern, mit denen wir gearbeitet haben die Tische gefallen? Vielleicht wird sich die eine oder andere Person wiedererkennen, möglicherweise ist dies aber auch irrelevant, denn am zentralsten ist es, Kinder auch präsent zu haben, dabei zuhaben bei einer Neugestaltung, die sich an alle Personen einer Gesellschaft richtet.

Wir können Frieden nur gemeinsam erschaffen und behalten. Auf den ersten Blick ist es nicht wichtig, wie ein Ort heißt, aber der Name tut etwas mit uns… Und es tut etwas, mit wem wir uns an einen Tisch setzen und mit wem wir uns austauschen und wer wie sichtbar ist.

nicole pruckermayr

FRIEDENSTISCHE ZEICHNEN
Konzept und kuratorische Begleitung: Nicole Pruckermayr
Projektleitung: Katja Hausleitner / Kinderbüro – Die Lobby für Menschen bis 14
KünstlerInnen: Johanna Regger, Isa Riedl, Edda Strobl/Anja Korherr, studio ASYNCHROME
Fotos dieser Seite: Lex Karelly
Thematische Begleitung: SMZ Liebenau (Carina Batek-Stipacek, Anna Hoffman-Wellenhof, Rebecca Taupe); Maria Fanta und Manuel Girzikowski; Hannes Freiszmuth; Nicole Pruckermayr; Kinderbüro (Sidonie Koch und Katja Hausleitner)
In Kooperation mit Kindern der Volksschule Schönau.
Dank an: Stadtplanungsamt, Stadtbaudirektion, Kulturamt, Holding Graz, Druckerei Khil, Malervereinigung, Lidl, Malermeisterin Petra Frank, Friedensbüro, mur.at

FRIEDENSTISCHE ZEICHNEN ist Teil von Graz Kulturjahr 2020 und wurde gefördert von:




Ansprechpartnerin: Kinderbüro – Die Lobby für Menschen bis 14
Katja Hausleitner (Gesamtprojektleitung)
Karmeliterplatz 2/3, 8010 Graz, Österreich
T: 0316-90 370 183 E: katja.hausleitner@kinderbuero.at, friedenstische@mur.at
https://friedenstische.mur.at